jaime_speberg_100.jpgEnergiewende made in Germany – kleine Projekte zeigen den Weg

Von Jaime Sperberg


Die „Energiewende“ gehört mittlerweile zum Sprachschatz des Englischen, auch wenn man diese als „energy transition“ oder „energy turnaround“ übersetzen könnte. Der Umbau der Energieversorgung in Deutschland war auch Thema einer internationalen Konferenz dazu, die vom  26. und 27. März 2015 im Auswärtigen Amt in Berlin statt fand. Die Bundesrepbublik möchte für andere Weltregionen mit gutem Beispiel voran gehen und durch den Ersatz fossiler Brennstoffe wie Erdöl und Kohle zum Klimaschutz beitragen. Viele Staaten haben aber andere Voraussetzungen als Deuschland. Länder mit eigenen Vorkommen an Erdöl und Erdgas sind weniger interessiert. Aber auch EU-Mitgliedsstaaten wie z.B. Polen sind immer noch sehr von der Kohle abhängig. Ein Umbau der Energieversorgung würde dort ein Vielfaches kosten. Die Frage nach der Motivation, die eine Konferenzteilnehmerin aus Kanada stellte, machte folgendes klar: Deutschlands ist fast zu 100 Prozent von Öl- und Gasimporten abhängig während Kanada über eigene Öl -und Gasressourcen verfügt.

Energiewende-1015_01.jpgDie Energiewende hat auch bei uns starke wirtschaftliche Triebkräfte: Unabhängigkeit von Rohstofflieferungen, den technologischen Vorsprung behalten bzw. ausbauen, die wirtschafliche Dynamik aufrecht erhalten und als Folge, neue Arbeitsplätze schaffen. Aber: Auch wenn alle Akteuere die Energiewende deshalb gut finden, möchte niemand die anfangs hohen Investitions- und Übergangskosten bezahlen. Die finanziellen Fördermittel des Staates werden immer noch als nicht ausreichend angesehen, um z.B. einen Hausbesitzer zu überzeugen, dass er die Energieversorgung seiner Immobilie auf erneuerbare Energien umstellt. Vertreter von Wirtschaftsunternehmen sind ebenfalls skeptisch, ob die Energie-Ziele bis 2050 zu erreichen sind: 80 Prozent Stromerzeugung aus regenerativen Quellen oder bis 95 Prozent Reduktion der Treibhausgase gegenüber 1990. Wenn das große Projekt der energetischen Ruderneuerung Deutschlands noch nicht so rund läuft, sind die vielen kleineren  Pilotprojekte umso wichtiger.

Feldheim (Ortsteil von Treuenbrietzen), ein Brandenburgischer Ort südlich von Berlin, gilt diesbezüglich als ein Aushängeschild dieser Wende. Denn das nur 128 Einwohner zählende Dorf versorgt sich ausschließlich selbst mit Strom aus ernuerbaren Quellen wie Wind und Sonne sowie mit Wärme aus einer eigenen Biogas-Anlage. Ein größerer Windpark und eines auf ehemaligem militärischem Sperrgebiet errichtetes Photovoltaik-Werk gehören zu den größeren Investitionen in Ort. Darum kümmert sich seit 1997 die Energiequelle GmbH, die auch das separate Stomnetz betreibt. Zusammen mit der Feldheim Energie GmbH & Co. KG, der das Wärmenetz gehört, haben beide Firmen in den Ausbau Erneuerbarer Energien viel Geld investiert. Ein beträchlicher Anteil der notwendigen Finanzmittel kamen aus Fördertöpfen des Bundeslandes Brandenburg und der Europäischen Union (EU). Auf diese Weise ließ sich der Finanz-Anteil der Dorfbewohner bei ihrer Energieversorgung begrenzen. Im Schnitt haben die Feldheimer geringere laufende Energiekosten als Haushalte, die am größeren Netz angeschlossen sind.

Energiewende-1015_02.jpgWenn man den größeren Windpark auf einer Anhöhe des Fläming in der Nähe von Feldheim betrachtet, fragt man sich, ob das Dorf den ganzen Strom selbst verbraucht. Das ist natürlich nicht der Fall, denn ein Großteil wird gewinnbringend in das allgemeine Stromnetz eingespeist. Dafür bekommt Energiequelle einen besonders lukrativen Preis. Aber was passiert, wenn der Wind ununterbrochen weht und z.B. nachts viel Strom produziert wird, den niemand braucht. Über das so genannte Speicherproblem bei Erneuerbaren habe man sich am Anfang noch nicht so viele Gedanken gemacht, sagte Prof. Schlatmann vom Helmholtz-Zentrum im Berliner Technologiepark Adlershof. Gleichwohl rückt die Speicherung regenerativer Energien umso stärker in den Fokus, je mehr  Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird. Denn die natürlichen Schwankungen von Wind und Sonne führen mal zu Engpäßen mal zu Überfluß-Situationen bei der Energieversorgung.
Wenig Sonne, dafür weht der Wind.

Um diese Netzschwankungen auszugleichen baut das Unternehmen Energiequelle den größten Batteriespeicher der Bundesrepublik in dem 128-Seelen-Dorf. Dazu werden leistungsstarke Lithium-Ionen-Batterien aufgestellt, die bis zu 10,7 Megawatt an elektrischer Energie aus dem Windpark aufnehmen sollen. Eine Stadt mit ungefähr 10.000 Haushalten könnte mit 10 Megawatt auskommen. Die Anlage kostet 12,5 Millionen Euro. Etwa 40 Prozent der Kosten übernehmen das Land Brandenburg und die EU, ca. vier Millionen stammen aus Krediten und der Rest ist Eigenkapital.

Energiewende-1015_03.jpgBatterien sind nicht die einzigen Speicher, die für solche Zwecke eingesetzt werden. Gerade Lithium-Ionen-Batterien sind noch recht teuer. Ein anderes Speichermedien ist beispielsweise Wasserstoff. Diesen erzeugt man mit überschüssigem Wind- oder Sonnenstrom. Ist zu wenig Strom da, wandelt man ihn wieder in Strom um. Auch Pumpspeicherkraftwerke dienen der Speicherung von Energie. Dieses System pumpt mit überschüssigem Strom Wasser bergauf, um es bei Bedarf wiederum bergab fließen zu lassen und Strom zu produzieren.

Viele kleine und mittlere Projekte wie in Feldheim sind zwar noch örtlich begrenzt, sie bieten aber gleichzeitig einen Einblick in die Zukunft. Die Energiewende braucht solche funktionierenenden Beispiele, um zu demonstrieren, dass sie wirtschafltich sind und von der Bevölkerung angenommen werden.

Jaime Sperberg

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