Nachdem der Möbelhausbesitzer Kurt Krieger (Höffner, Möbel-Krieger) im Dezember 2009 die 250.000 m² große Fläche des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs Pankow gekauft hatte, stellte er im Februar 2010 im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Pankow erstmalig seine Pläne für die Entwicklung dieses Areals vor.

Der linke Bereich mit dem zur Berliner Straße offenen Platz sollte ursprünglich "Neue Mitte Pankow" heißen, was aber im Prenzlauer Berg auf wenig Gegenliebe stieß, daher nennt Krüger ihn jetzt: "Pankower Tor".

Im rechten Drittel ist ein großes Möbehaus geplant, daneben ein Einkaufszentrum mit 40.000 m² Verkaufs-, und etwa noch einmal so viel Logistikfläche. Da es im Norden Berlins bisher kein auch nur annähernd vergleichbar großes Einkaufszentrum gibt, ist Kriegers Erwartung, 60% der Kunden aus dem Umland anzuziehen, sicher nicht unrealistisch. Diese riesige Verkaufsfläche wird nicht ohne Auswirkungen auf das Rathaus-Center und die anliegenden Geschäfte auf der Breiten Straße bleiben. Sollten diese Pläne realisiert werden, dürfte schon alleine der zusätzliche Verkehr den Charakter dieses Gebietes radikal verändern.

Krieger_Plan_GBP_2010_021b_580.jpgKriegers Plan für das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Pankow  (Stand: 2/2010)

Der Bauherr ist auf die Zustimmung des Bezirks angewiesen, daher könnte Pankow Im Gegenzug einen interessanten, autofreien Platz an der Berliner Straße mit einer dringend benötigten Schule und Dienstleistungseinrichtungen erhalten, sowie einen neuen Park, für dessen Unterhaltskosten Herr Krieger aufzukommen bereit ist. Auch wenn die Alternative eines Möbelhauses im Speckgürtel auf der grünen Wiese noch schlechter wäre, sollte sich der Bezirk Pankow sein Einverständnis zur Bebauung dieses letzten bezirklichen Groß-Areals teuer erkaufen lassen. Denkbare Forderungen wären z.B.:

  • Warenanlieferung des Möbelhauses bevorzugt über den Schienenweg
  • Der bisher weitgehend abgeschnittene Bereich östlich des S-Bahnhofs Heinersdorf muss besser angebunden werden, z.B. über die Verlängerung der M2 von der Endhaltestelle in der Romain-Rolland-Str. bis zum S-Bahnhof Heinersdorf
  • Statt eines Einkaufszentrums Ansiedlung von produzierendem Gewerbe. Leitbild: „Stadt der kurzen Wege“ und Mischung von Wohnen und Arbeiten.
  • Das Möbelhaus muss weitgehend städtebaulich und ökologisch dem neuesten Stand der Technik entsprechen und Modellcharakter besitzen
  • Unterbringung einer Schule im westlichen Teil
  • Langfristige Sicherung der Unterhaltskosten für den Park
  • zusätzliche Fußgängerbrücke zur Mendelstr. (Besserer Zugang vom Wohngebiet im Norden)
  • Einbeziehung des Bereichs um den denkmalgeschützten Lokschuppen östlich der Prenzlauer Promenade und Ausbau für kulturelle Nutzung.
  • Es darf kein finanzielles Risiko für den Bezirk geben

Alles in allem also ein unter Umweltgesichtspunkten hoch problematisches Projekt, das sehr viel zusätzlichen Verkehr anziehen wird und für den Bereich um den Pankower Anger die Gefahr des Niedergangs birgt. Andererseits ergeben sich für Pankow daraus vielleicht auch Chancen, zumal es bei bei diesem Investor, immerhin zweitgrößtem Möbelhändler Deutschlands, zur Abwechslung vielleicht mal kein Problem mit der Finanzierung geben dürfte. Herr Krieger hat mit Versprechungen über die ökologische Verträglichkeit seines Projekts den Mund bereits sehr voll genommen, daran wird er sich messen lassen müssen.

Martin Kasztantowicz - April 2010

Nachtrag Dezember 2011: Es gibt jetzt eine neue Facebook-Seite "Rangierbahnhof Pankow" zur offenen Diskussion über die zukünftige Nutzung des Geländes. Wenn Sie einen Facebook-Account besitzen, können Sie auch dort Ihre Meinung äußern.

Kommentare

Posted by Matthias on
Wozu brauchts bitte immer mehr versiegelte Flächen in der Stadt? Wir haben in der Umgebung das Gesundbrunnencenter, die Arcaden in der Schönhauser Allee, das Rathauscenter in der Breiten Str. und das Neumannforum. Ein weiteres Shoppingcenter würde meines Erachtens fast alle Kleingewerbe in der Umgebung dem Niedergang weihen, denn wer kann sich in diesem Projekt schon die Mieten leisten??

Grünfläche wäre viel sinnvoller und auch klüger, Lärmschutzwände müssen am Bahndamm errichtet werden, die Tankstelle und der Mäckes sollten bleiben - aber der Bezirk denkt nur an das liebe Geld - aber das können wir nunmal nicht essen.........
Posted by Christa Konkel on
Noch ist die Fläche da und die Chance noch gegeben, endlich wieder den Güterverkehr auf die Gleise zu bekommen.Alles mit LKW transportieren zu wollen, hat ja wahrlich auch Grenzen(verstopfte Staßen und Autobahnen, nicht ausreichende Anzahl von Parkplätzen für LKW, um Pausenzeiten überhaupt einhalten zu können nur als Beispiel) Umwelt schonen- gerne- zeigen wir in Pankow, wie das geht.
Posted by Mimmie on
Thema Verkehr: Es reicht ja jetzt schon, was über die Prenzlauer Prommenade fährt. Entweder Richtung Ostsee oder Richtung Mitte. Ich wohne da und kann mich so noch einigermaßen arrangieren. Wenn das mehr werden sollte, kann ich nicht garantieren. Und dann, was bitte darf ich mir unter einem "Lichtparkur" vorstellen? Wofür braucht man das? Warum soll das Bild von Pankow so zerstört werden? Und, das Rathaus-Center ist erst in voller Größe vor ein paar Jahren eröffnet worden. Und, es reicht aus, denn, wie schon angesprochen, gibt es ausreichend andere Center in der Nähe. Liebe Politiker, auch Bebauung muss gut überdacht sein, vor allem aber sollte sie sinnvoll sein.
Posted by derkay on
Ich finde die Pläne richtig gut. Da scheint jemand mal mitzudenken. Aus meiner Sicht bekommt dann Pankow endlich mal das, was die ganze Zeit gefehlt hat: eine echte Mitte und on top eine neue Nord Süd Verbindung und somit Anbindung der Wohngebiete. Die Attraktivität kann nur steigen und wenn dabei noch eine Schule und Parks rausspringen - perfekt! Die reale Alternative: die Fläche bleibt weiter hässlich und ungenutzt da niemend Geld dafür ausgeben wird. Wenn es jemend in der Stadt noch grüner haben will soll er doch aufs Land ziehen, das ist ja nicht so weit von Pankow aus. Eine Stadt ist und bleibt eben eine Stadt...
Posted by Reiner on
Na ja, liebe Vorschreiber, Brachen gibt es in Berlin leider viel zu viele. Und diese Brache muß sich eine Stadt - im Worten: STADT - nicht leisten müssen.
Erstaunlich, wie in Deutschland immer, wenn jemand die Initiative (und das Geld) ergreift, sofort die Bedenkenträger, Miesmacher und Besserwissis aufbegehren, während die Masse der An- und Umwohner gespannt auf die Realisierung hofft.
Kleingewerbe? Pankow ist leider immer noch Dunkeltuten, was Gewerbe jeder Art betrifft (Hatte es hier sowieso nie viel gegeben).
Ich wünsche den Kriegers alles Gute und viel Erfolg. Und warum soll das Vorhaben nicht umweltverträglich realisiert werden können. Schlimmer als in der Schloßalle in Steglitz wird es sicher nie werden!
Posted by Nicole on
@Reiner: Die Fläche des Rangierbahnhofs ist eine der letzten, großen Freiflächen in Pankow, die wir noch haben. Danach ist über Generationen nix mehr da. Weißt Du, was Berlin in 100 Jahren braucht? Ich auch nicht. Wollen wir diese kostbare Fläche wirklich für einen Koofmich zubetonieren, nur weil ein Investor mit Geldscheinen wedelt und wir keine Brache ertragen können? Gibt's denn gar keine anderen Visionen für so ein Gelände? Wie wäre es mit qualifizierteren Arbeitsplätzen statt mit Billg-Löhnern, die beim Möbelhaus nur vom Wedding nach Pankow verlagert werden? Oder mit Zwischennutzungen für Sport- oder Kulturveranstaltungen? Eine Frischluftschneise? Schulen oder Ausbildungsstätten? Nee, nee, wenn kein überzeugendes Konzept da ist, dann sollten wir warten können, ob unseren Kindern oder Enkeln nicht noch was besseres einfällt als uns.
Posted by Gegner on
Ich wohne in unmittelbarer Nähe und finde die Pläne, auf deutsch gesagt, ZUM KOTZEN. An die Anwohner un die damit verbundenen Lärmbelastungen wurde anscheinend überhaupt nicht gedacht. Da freut man sich, daß man endlich Ruhe haben wird nach dem Aus von Tegel, und dann das. Es geht eben nur ums Geld.
Posted by derkay on
Ich finde die Pläne richtig gut. Da scheint jemand mal mitzudenken. Aus meiner Sicht bekommt dann Pankow endlich mal das, was die ganze Zeit gefehlt hat: eine echte Mitte und on top eine neue Nord Süd Verbindung und somit Anbindung der Wohngebiete. Die Attraktivität kann nur steigen und wenn dabei noch eine Schule und Parks rausspringen - perfekt! Die reale Alternative: die Fläche bleibt weiter hässlich und ungenutzt da niemend Geld dafür ausgeben wird. Wenn es jemend in der Stadt noch grüner haben will soll er doch aufs Land ziehen, das ist ja nicht so weit von Pankow aus. Eine Stadt ist und bleibt eben eine Stadt...
Posted by Hajo123 on
An den Vorschreiber "Gegner" möchte ich zu Bedenken geben, dass dieses hässliche Brachgelände auch hervorragend für die Firma ALBA Schrottverwertung geeignet ist. Oder für dubiose Autohändler und KFZ-Buden, mit ihren unansehnlichen Baracken mit den Benzin- und Ölbunkern und vielleicht sogar einem Wochenend-Gebrauchtwagenmarkt. Daher, ihr lieben Gegner: seid doch froh, dass dort wahrscheinlich (hoffentlich) eine annehmbare Kompromisslösung realisiert wird. Sicher - einfach nur ein gepflegter Park wäre die schönste Lösung. Aber wenn die Politik für solche Lösungen kein Geld hat, weil sich niemand in diesem Land um Steuerverschwendung kümmert, mit welchem man damit einen Park locker finanzieren könnte, dann finde ich dieses wesentlich eher zum Kotzen. Allerdings - eventuelle Nachteile für den Einzelhandel Richtung Westen entlang der Florastraße bis zum EKZ Rathaus Pankow muss ernsthaft geprüft werden, damit das Kiezleben erhalten bleibt. Daher muss das EKZ auf dem Güterbahnhofgelände ernsthaft geprüft und die richtige Größenordnung ermittelt werden. Die Lösung muss daher lauten: Der Einzelhandel im Pankower Florakiez muss erhalten bleiben und das Projekt Pankower Tor muss sich trotzdem für Herrn Krieger rechnen. Das ist die Aufgabe der Politik und des Bezirks dieses Kosten-Nutzen-Verhältnis für alle Beteiligten fair zu gestalten. Hier muss jeder und in jede Richtung finanziell, ökonomisch wie ökologisch Kompromissbereit sein. In diesem Sinne wünsche dem Projekt viel Glück, so dass dieses Vorhaben für alle Beteiligten eine Erfolgsstory wird.
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