Ulf SiebergZurück in die Zukunft
Stadt-Fortschritt in Zeiten des Wandels

Von Ulf Sieberg - Referent für Klimafragen beim BUND Berlin

Immer wieder und immer noch wird in Teilen der Erde von Einzelpersonen und bestimmten gesellschaftlichen Gruppen Zweifel an einem der größten Probleme der Menschheitsgeschichte geäußert: der Existenz eines globalen Klimawandels. Dies hat eine Reihe von Ursachen: das Klimasystem ist äußerst komplex und in Gänze selbst für langjährige und ausgewiesene Experten nur schwer überschaubar. Bestimmte Beharrungskräfte halten zudem an derzeitigen Wirtschaftsweisen fest, mit denen sie viel Geld verdienen. Dazu kommt die häufige Verwechselung der Begriffe „Wetter“ und „Klima“ sowie das Bauchgefühl, der letzte Winter ist doch ziemlich streng gewesen. Wissenschaftliche Ungenauigkeiten in der Klimaforschung und Kommunikationsfehler haben darüber hinaus für zusätzliches Misstrauen gesorgt. Mangelnde Kenntnis und Bequemlichkeit tun ihr übriges. Doch lässt man einmal die Frage Außen vor, ob es einen Klimawandel wirklich gibt, so kann heute niemand mehr bestreiten, dass die Ausbeutung natürlicher Ressourcen der Erde unsere Lebensgrundlage gefährdet. Maßgebend für diese Sichtweise ist nicht immer (aber auch!) der Blick aus dem eigenen Fenster, vor allem aber der über den eigenen Tellerrand. Allein daher gebietet es sich, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und dort wieder herzustellen, wo sie bereits zerstört sind. Unabhängig davon, ob es nun einen Klimawandel gibt oder nicht: ein Recht, auf Kosten nachfolgender Generationen oder anderer Bevölkerungsgruppen der Erde zu leben, gibt es nicht – für keinen. Allein dieser Erkenntnis nach ist aber auch die Zeit vorbei, in der genau dies aus Unwissenheit geschah.

Nichts wird so bleiben wie es ist

Um zukünftig den Bedarf an Nahrungsmitteln, Wasser und Energie für uns und andere bereit zustellen, bei wachsendem Weltbedarf die vorhandenen Ressourcen gerecht zu verteilen und den Wohlstand zu sichern und mehr Menschen zugänglich zu machen, muss der Begriff des Wohlstands neu definiert werden. Wohlstand, gleichgesetzt mit grenzenlosem Konsum, wie wir ihn heute in den westlichen Industrienationen kennen und ihm die ganze Welt nacheifert, hat uns genau in das Dilemma geführt, in dem wir uns heute befinden. Zudem mit Technik die Folgen zu beheben, die wir mit Technik erst verursacht haben, wird kein Allheilmittel sein. Der Slogan „Wohlstand für alle“ muss durch ein „aber bitte zum Wohle aller“ ergänzt werden. Um dies erreichen zu können, bedarf es eines Transformationsprozesses der Gesellschaft, der unser Arbeiten, unser Wohnen, unsere Freizeitgestaltung, unsere Konsumgewohnheiten, ergo unsere ganze Lebensweise auf den Kopf stellen wird. Aber wer sagt denn, dass das mit Nachteilen verbunden sein muss?

Wer ist gegen mehr Lebensqualität?

Wer Wohlstand weiter am Wirtschaftswachstum bemisst ist auf dem Holzweg. Lebensqualität definiert sich nicht über das Bruttoinlandsprodukt, sondern an der Lebensqualität insgesamt. Entscheidend wird daher ein qualitatives Wachstum sein, nicht ein quantitatives. Und genau hier gibt es eine ganze Menge zu tun: Der Umbau unserer Infrastruktur hin zu einer Ressourcen schonenden und effizienteren Lebensweise erfordert ein ganz neues Denken und Handeln. Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind also nur, wenn auch wesentliche, Teilaspekte einer sich für die Zukunft rüstenden Stadt. Aus Problemen können so bei richtiger Weichenstellung Chancen werden.

Ein Stadt-Klima des Wandels

Die Anforderungen der Zukunft ergeben sich aus weniger werdenden natürlichen wie materiellen und finanziellen Ressourcen bei anwachsender Verschuldung der Haushalte als Resultat eines Lebensstils, der über seine Verhältnisse hinausgeht; einer immer älter werdenden Bevölkerung und ihren sich verändernden Bedürfnissen; und aus einer immer katastrophaleren Umweltverschmutzung und seinen Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Die Anforderungen richten sich an alle gesellschaftlichen Anspruchsgruppen: ob Bürgerinnen und Bürger, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler usw., alles sind gleichermaßen gefragt und gefordert, wenn es um den Umbau von Stadtstrukturen und des eigenen Lebensstil geht. Globales Denken hängt dabei vom Wissen jedes Einzelnen ab, lokales Handeln von seiner Bereitschaft, dieses auch im Sinne des Allgemeinwohls und der Gesellschaft anzuwenden.

Stadt der Zukunft

Die zukünftige Stadt atmet. Sie hat keinen Stadtwald mehr, sie ist vielmehr Waldstadt. Und wie ein Wald ein geschlossenes System ist, wird auch die Stadt der Zukunft immer mehr zum geschlossenen System werden. Der Schlüssel dazu ist ein geschlossener Stoffkreislauf, der genauso viel entnimmt wie auch wieder zurückgegeben werden kann. Um dorthin zu gelangen müssen wir lernen, Stadt und Leben ganz neu zu denken. In erster Linie gilt es unsere Infrastruktur auf die neuen Erfordernisse des Klimawandels, der demographischen Entwicklung und des technologischen Fortschritts anzupassen mit dem Ziel mehr Lebensqualität für alle insgesamt zu erreichen. Ob Gebäude, Kanalisation, Beleuchtung, Straßen, Energieversorgung und vieles andere mehr, alles muss zweckmäßig und erneuerbar sein. Wir werden in Zukunft eine flexiblere Infrastruktur benötigen, die auch schneller wieder rückbaubar ist und wiederverwertet werden kann. Allein bis 2020 verbuddeln wir in Deutschland 55 Milliarden Euro in ein neues Kanalisationsnetz ohne zu wissen, wie sich das Abwasseraufkommen entwickeln wird und welche Anforderungen Starkregen an die Kanalisation stellen werden. Das gleiche gilt für den Lärmschutz. Millioneninvestitionen in Lärmschutzmaßnahmen ist verbranntes Geld. Ein reduziertes Verkehrsaufkommen durch regionale und lokale Produktkreisläufe und Wertschöpfungsketten, Arbeiten, Kinder- und Seniorenbetreuung am Wohnort oder in unmittelbarer Umgebung und die stärke Vernetzung verschiedenster Verkehrsmittel hingegen Veränderung der Lärmursachen. Die Hauptlärmquelle Verkehr wird zunehmend reduziert, umweltfreundlicher und vor allem geräuschsloser werden. Mobilität bleibt verfügbar. Nicht sie wird eingeschränkt, sondern die Notwendigkeit ihrer Inanspruchnahme!

Stadt wird grüner

Das Stadtklima lebt nicht mehr allein nur von Straßenbäumen. Ob in der horizontalen oder der vertikalen, ob auf Dächern, ob Hauswände aus grün oder grün an Hauswänden, grün wird ganz neues Leben in die Stadt bringen. Grün dämpft Lärm und entschleunigt, schafft Ruhe und Entspannung, sorgt für ein ausgewogenes Stadtklima und saubere Luft, erhöht die Artenvielfalt und lindert die Folgen des Klimawandels.

StadtGestaltung per Flächentransformationsplanung

Notwendig dafür ist eine aktive Politik, die Anreize setzt, die soziale Balance im Auge behält um beispielsweise Miet- und Klimaghettos zu vermeiden sowie Recht schafft und bestehendes effektiv durchsetzt. Gefordert ist eine neue grüne Flächentransformationsplanung die Bestehendes für schon heute vorhandene und zukünftige Anforderungen fit macht! Sie führt Kernelemente heutiger Stadt-, Land- und Bauplanung mit politischen Handlungsfeldern wie Umwelt und Gesundheit zusammen, entwickelt inter- und transdisziplinäre Energie-, Verkehrs-, Bau- und Wohn- sowie Klimaanpassungskonzepte und zeigt damit Wege in eine zukunftsfähige Stadt mit mehr Lebensqualität auf.

Zurück in die Zukunft – Stadt-Fortschritt in Zeiten des Wandels

Immer wieder und immer noch wird in Teilen der Erde von Einzelpersonen und bestimmten gesellschaftlichen Gruppen Zweifel an einem der größten Probleme der Menschheitsgeschichte geäußert: der Existenz eines globalen Klimawandels. Dies hat eine Reihe von Ursachen: das Klimasystem ist äußerst komplex und in Gänze selbst für langjährige und ausgewiesene Experten nur schwer überschaubar. Bestimmte Beharrungskräfte halten zudem an derzeitigen Wirtschaftsweisen fest, mit denen sie viel Geld verdienen. Dazu kommt die häufige Verwechselung der Begriffe „Wetter“ und „Klima“ sowie das Bauchgefühl, der letzte Winter ist doch ziemlich streng gewesen. Wissenschaftliche Ungenauigkeiten in der Klimaforschung und Kommunikationsfehler haben darüber hinaus für zusätzliches Misstrauen gesorgt. Mangelnde Kenntnis und Bequemlichkeit tun ihr übriges. Doch lässt man einmal die Frage Außen vor, ob es einen Klimawandel wirklich gibt, so kann heute niemand mehr bestreiten, dass die Ausbeutung natürlicher Ressourcen der Erde unsere Lebensgrundlage gefährdet. Maßgebend für diese Sichtweise ist nicht immer (aber auch!) der Blick aus dem eigenen Fenster, vor allem aber der über den eigenen Tellerrand. Allein daher gebietet es sich, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und dort wieder herzustellen, wo sie bereits zerstört sind. Unabhängig davon, ob es nun einen Klimawandel gibt oder nicht: ein Recht, auf Kosten nachfolgender Generationen oder anderer Bevölkerungsgruppen der Erde zu leben, gibt es nicht – für keinen. Allein dieser Erkenntnis nach ist aber auch die Zeit vorbei, in der genau dies aus Unwissenheit geschah.

Nichts wird so bleiben wie es ist

Um zukünftig den Bedarf an Nahrungsmitteln, Wasser und Energie für uns und andere bereit zustellen, bei wachsendem Weltbedarf die vorhandenen Ressourcen gerecht zu verteilen und den Wohlstand zu sichern und mehr Menschen zugänglich zu machen, muss der Begriff des Wohlstands neu definiert werden. Wohlstand, gleichgesetzt mit grenzenlosem Konsum, wie wir ihn heute in den westlichen Industrienationen kennen und ihm die ganze Welt nacheifert, hat uns genau in das Dilemma geführt, in dem wir uns heute befinden. Zudem mit Technik die Folgen zu beheben, die wir mit Technik erst verursacht haben, wird kein Allheilmittel sein. Der Slogan „Wohlstand für alle“ muss durch ein „aber bitte zum Wohle aller“ ergänzt werden. Um dies erreichen zu können, bedarf es eines Transformationsprozesses der Gesellschaft, der unser Arbeiten, unser Wohnen, unsere Freizeitgestaltung, unsere Konsumgewohnheiten, ergo unsere ganze Lebensweise auf den Kopf stellen wird. Aber wer sagt denn, dass das mit Nachteilen verbunden sein muss?

Wer ist gegen mehr Lebensqualität?

Wer Wohlstand weiter am Wirtschaftswachstum bemisst ist auf dem Holzweg. Lebensqualität definiert sich nicht über das Bruttoinlandsprodukt, sondern an der Lebensqualität insgesamt. Entscheidend wird daher ein qualitatives Wachstum sein, nicht ein quantitatives. Und genau hier gibt es eine ganze Menge zu tun: Der Umbau unserer Infrastruktur hin zu einer Ressourcen schonenden und effizienteren Lebensweise erfordert ein ganz neues Denken und Handeln. Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind also nur, wenn auch wesentliche, Teilaspekte einer sich für die Zukunft rüstenden Stadt. Aus Problemen können so bei richtiger Weichenstellung Chancen werden.

Ein Stadt-Klima des Wandels

Die Anforderungen der Zukunft ergeben sich aus weniger werdenden natürlichen wie materiellen und finanziellen Ressourcen bei anwachsender Verschuldung der Haushalte als Resultat eines Lebensstils, der über seine Verhältnisse hinausgeht; einer immer älter werdenden Bevölkerung und ihren sich verändernden Bedürfnissen; und aus einer immer katastrophaleren Umweltverschmutzung und seinen Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Die Anforderungen richten sich an alle gesellschaftlichen Anspruchsgruppen: ob Bürgerinnen und Bürger, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler usw., alles sind gleichermaßen gefragt und gefordert, wenn es um den Umbau von Stadtstrukturen und des eigenen Lebensstil geht. Globales Denken hängt dabei vom Wissen jedes Einzelnen ab, lokales Handeln von seiner Bereitschaft, dieses auch im Sinne des Allgemeinwohls und der Gesellschaft anzuwenden.

Stadt der Zukunft

Die zukünftige Stadt atmet. Sie hat keinen Stadtwald mehr, sie ist vielmehr Waldstadt. Und wie ein Wald ein geschlossenes System ist, wird auch die Stadt der Zukunft immer mehr zum geschlossenen System werden. Der Schlüssel dazu ist ein geschlossener Stoffkreislauf, der genauso viel entnimmt wie auch wieder zurückgegeben werden kann. Um dorthin zu gelangen müssen wir lernen, Stadt und Leben ganz neu zu denken. In erster Linie gilt es unsere Infrastruktur auf die neuen Erfordernisse des Klimawandels, der demographischen Entwicklung und des technologischen Fortschritts anzupassen mit dem Ziel mehr Lebensqualität für alle insgesamt zu erreichen. Ob Gebäude, Kanalisation, Beleuchtung, Straßen, Energieversorgung und vieles andere mehr, alles muss zweckmäßig und erneuerbar sein. Wir werden in Zukunft eine flexiblere Infrastruktur benötigen, die auch schneller wieder rückbaubar ist und wiederverwertet werden kann. Allein bis 2020 verbuddeln wir in Deutschland 55 Milliarden Euro in ein neues Kanalisationsnetz ohne zu wissen, wie sich das Abwasseraufkommen entwickeln wird und welche Anforderungen Starkregen an die Kanalisation stellen werden. Das gleiche gilt für den Lärmschutz. Millioneninvestitionen in Lärmschutzmaßnahmen ist verbranntes Geld. Ein reduziertes Verkehrsaufkommen durch regionale und lokale Produktkreisläufe und Wertschöpfungsketten, Arbeiten, Kinder- und Seniorenbetreuung am Wohnort oder in unmittelbarer Umgebung und die stärke Vernetzung verschiedenster Verkehrsmittel hingegen Veränderung der Lärmursachen. Die Hauptlärmquelle Verkehr wird zunehmend reduziert, umweltfreundlicher und vor allem geräuschsloser werden. Mobilität bleibt verfügbar. Nicht sie wird eingeschränkt, sondern die Notwendigkeit ihrer Inanspruchnahme!

Stadt wird grüner

Das Stadtklima lebt nicht mehr allein nur von Straßenbäumen. Ob in der horizontalen oder der vertikalen, ob auf Dächern, ob Hauswände aus grün oder grün an Hauswänden, grün wird ganz neues Leben in die Stadt bringen. Grün dämpft Lärm und entschleunigt, schafft Ruhe und Entspannung, sorgt für ein ausgewogenes Stadtklima und saubere Luft, erhöht die Artenvielfalt und lindert die Folgen des Klimawandels.

StadtGestaltung per Flächentransformationsplanung

Notwendig dafür ist eine aktive Politik, die Anreize setzt, die soziale Balance im Auge behält um beispielsweise Miet- und Klimaghettos zu vermeiden sowie Recht schafft und bestehendes effektiv durchsetzt. Gefordert ist eine neue grüne Flächentransformationsplanung die Bestehendes für schon heute vorhandene und zukünftige Anforderungen fit macht! Sie führt Kernelemente heutiger Stadt-, Land- und Bauplanung mit politischen Handlungsfeldern wie Umwelt und Gesundheit zusammen, entwickelt inter- und transdisziplinäre Energie-, Verkehrs-, Bau- und Wohn- sowie Klimaanpassungskonzepte und zeigt damit Wege in eine zukunftsfähige Stadt mit mehr Lebensqualität auf.

 

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